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5,99 Prozent der Menschen im Landkreis können ihre Schulden nicht zahlen

Dennoch steht Ebersberg noch besser da als der Rest des Münchner Umlands. Doch vor allem die hohen Mietpreise machen den Betroffenen zu schaffen.


Der Stapel mit den Mahnungen wird immer höher, aber es ist kein Geld da, um die offenen Rechnungen zu begleichen. So geht es jedem zehnten Bürger in Deutschland, wie aus einer Untersuchung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform Wirtschaftsforschung hervorgeht. Dem "Schuldenatlas 2018" zufolge weisen 10,04 Prozent der Deutschen "nachhaltige Zahlungsstörungen" auf. Seit fünf Jahren hat die Anzahl der Überschuldeten stetig zugenommen. Dieser Trend gilt nicht nur für Gesamtdeutschland, sondern auch für den Landkreis Ebersberg. Allerdings liegen die Zahlen dort deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.

Hatten in Ebersberg im Jahr 2014 noch 5,49 Prozent der Menschen Probleme, ihre Kredite zurückzuzahlen, liegt der Wert für 2018 bei 5,99 Prozent. Damit steht der Landkreis nicht nur im Deutschlandvergleich gut da, sondern weist auch die niedrigste Verschuldungsquote in der gesamten Region München auf. Unter allen 401 Landkreisen und kreisfreien Städten belegt Ebersberg den 19. Platz. Es folgen aus dem Münchner Umland Dachau mit 6,17 Prozent (Platz 28) und Erding mit 6,34 Prozent (Platz 34). Schlusslicht ist die Landeshauptstadt München mit einer Quote von 8,82 Prozent und Platz 160.

Jedes Jahr gibt es im Landkreis 6000 Zwangsvollstreckungen

Grund zum Jubeln besteht deshalb aber noch lange nicht. "Auch hier im Landkreis gibt es jede Menge Leid durch Überschuldung", sagt Stephan Brem. Der zertifizierte Schuldnerberater arbeitet für den Betreuungsverein Ingolstadt und ist für Ebersberg zuständig. Man sehe in der Region rund um München deutlich, "wie nahe Reich und Arm oft beieinander liegen". Ihm zufolge seien im vergangenen Jahr im Landkreis 5000 Vermögensauskünfte erteilt und 6000 Zwangsvollstreckungen durchgeführt worden. Trotzdem schneidet der Landkreis, so wie eigentlich ganz Bayern, im Bundesschnitt gut ab.

Zum Vergleich: Bei Schlusslicht Bremerhaven liegt die Verschuldungsquote bei 21,22 Prozent. Brem nennt vor allem die "gute Mischung aus Wirtschaftskraft und sozialer Infrastruktur" als Grund dafür, warum in der Region verhältnismäßig wenige Menschen in die Schuldenfalle rutschen. Auch das Jobcenter Ebersberg habe einen großen Anteil daran. Dort werde "sehr problemorientiert" gearbeitet, was schon vielen Menschen geholfen habe.

"Es ist nicht so, dass sich die Leute ihren Maledivenurlaub durch Schulden finanzieren."

Dennoch ist klar: Vor einer Verschuldung ist niemand sicher. Das liegt Brem zufolge daran, dass sich Menschen häufig nicht etwa durch unvernünftiges Handeln in finanzielle Schieflage bringen. "Es ist nicht so, dass sich die Leute ihren Maledivenurlaub durch Schulden finanzieren." Vielmehr seien oft Schicksalsschläge wie Krankheiten, Sterbefälle oder ein Jobverlust der Auslöser dafür. Eine weitere Gefahr sehen die Wirtschaftsexperten von Creditreform in den vielerorts rasant ansteigenden Miet- und Immobilienpreisen. "Mietkosten werden selbst bei knapper werdenden finanziellen Ressourcen meist vorrangig beglichen", heißt es im Schuldenatlas. Wohnen sei vor allem in den Ballungszentren zu einem Armutsrisiko geworden, denn: Während die Kaufkraft im Verhältnis nurmehr langsam wachse, habe das Preisniveau für Mietwohnungen und Eigenheime in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

Dieser Trend ist auch in Ebersberg klar zu erkennen. Wie aus dem Preisatlas des Internetportals Immobilienscout24 hervorgeht, sind die Mietpreise für Wohnungen im Landkreis seit 2014 um 18,9 Prozent gestiegen. In der Stadt Ebersberg liegt die Zunahme sogar bei 19,2 Prozent. Noch deutlicher sind die Werte bei Eigentumswohnungen. Lag der Quadratmeterpreis vor vier Jahren im Schnitt noch bei 2975 Euro, müssen Käufer im Landkreis inzwischen 4326 Euro bezahlen - eine Zunahme um 45,4 Prozent.

Seit 2000 gibt es die Möglichkeit der Privatinsolvenz

Außer dem Wohnungsmarkt und privaten Faktoren spielt laut Creditreform die allgemeine Wirtschaftsentwicklung eine Rolle. Zwar sei die konjunkturelle Lage in Deutschland in den vergangenen zwölf Monaten bemerkenswert stabil geblieben, die Rahmenbedingungen böten aber Anlass zur Sorge. So würden etwa merklich steigende Energie- und Mobilitätskosten Wirtschaft und Verbraucher zusätzlich belasten. Die vergleichsweise stabile Entwicklung der Überschuldungszahlen zeige aber, dass der aktuelle Negativtrend in Wirtschaft und Konjunktur offensichtlich noch nicht bei den Verbrauchern angekommen ist. Für die Zukunft lässt diese Beobachtung allerdings nichts Gutes hoffen, weshalb sich die Wirtschaftsexperten einig sind: "Alles in allem ist davon auszugehen, dass die Überschuldungszahlen in Deutschland auch in der näheren Zukunft weiter steigen werden."

Ein Ausweg aus der Finanznot kann der Gang zum Schuldnerberater sein, um dann gemeinsam eine Privatinsolvenz zu eröffnen. Diese Möglichkeit gibt es in Deutschland seit dem Jahr 2000. "Eine tolle Sache und absolut zentral", stellt Stephan Brem fest. Durch dieses formale juristische Verfahren hätten nun auch Privatpersonen die Chance, aus ihrer Misere herauszukommen und, wie Brem sagt, "einen Neustart zu schaffen".

© Süddeutsche Zeitung GmbH, München.
Mit freundlicher Genehmigung von Süddeutsche Zeitung Content

Autor:
Andreas Junkmann, Ebersberg

SZ Artikel erschienen:
23.11.2018

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